Wohnprojekt Drachenbau

„Eine kleine Oase mitten in St. Georg“. So wird der 1985 gegründete Drachenbau mit seinen vier Häusern und dem innenliegenden Garten oft beschrieben. Die kleine Genossenschaft liegt im dicht bebauten und direkt an die Innenstadt angrenzenden Bahnhofsviertel St. Georg, das nach dem legendären Drachentöter benannt ist. Die Gründer*innen des Wohnprojekts identifizierten sich jedoch aus guten Gründen mehr mit dem Drachen als mit dem Ritter mit seiner Rüstung: Sie wollten anders als damals üblich planen, bauen, wohnen und leben.

Zwei vorhandene Altbauten wurden erhalten. Ein Fabrikgebäude mit einem großen Anteil Eigenarbeit zu Wohnraum umgebaut. Ein heruntergekommener Gründerzeitbau wurde modernisiert. Mit zwei Neubauten wurden angrenzende Baulücken geschlossen. An der Gestaltung der Häuser beteiligten sich alle diejenigen, die auch darin wohnen wollten. Es entstanden große und kleine WGs und einige kleine Wohnungen. Die Kinder wuchsen gemeinsam auf. Wohnfläche und Kosten wurden nach Bedürfnissen und Zahlungsfähigkeit aufgeteilt. Drachenbau praktiziert heute noch einen solidarischen Ausgleich bei den Mietzahlungen. Auf freiwilliger Basis zahlen Haushalte, die dazu bereit und in der Lage sind, eine höhere Miete, damit andere, finanziell schlechter ausgestattete Haushalte weniger zahlen müssen. Früher galten diese Ideen als geradezu verrückt. Heutzutage wünschen sich viele Menschen, so zu wohnen.

Drachenbau
Foto: STATTBAU HAMBURG

Doch nicht nur mit ihren Wohnidealen standen die Genossenschaftler*innen im Widerspruch zu damals herrschenden Vorstellungen: St. Georg war in den 1970er Jahren heruntergekommen, nachdem Pläne von Behörden und dem damaligen, gewerkschaftlichen Immobilienkonzern Neue Heimat aus den 1960ern, den Stadtteil komplett abzureißen und durch eine Hochhauslandschaft namens „Alstermanhattan“ zu ersetzen, u.a. am Widerstand aus St. Georg gescheitert waren. Auch der Drachenbau mit seiner behutsamen Altbausanierung setzte diesen Plänen eine Alternative entgegen.

Heutzutage denkt niemand mehr an Abriss. St. Georg ist über Hamburg hinaus bekannt und beliebt. Die Kehrseite davon ist, dass die Preise steigen und die Gentrifizierung ihren Lauf nimmt. In der Genossenschaft Drachenbau tun sie das nicht. Hier zieht niemand einen Gewinn aus der Immobilie. Ein weiterer Grund, warum er als eine Oase in der Stadt gilt.

Projektsteckbrief

  • Adresse:
    Drachenbau
    Schmilinskystraße 6a, 20099 Hamburg
  • Eigentümerin:
    Drachenbau St. Georg Wohngenossenschaft eG (Kleingenossenschaft) im Erbbaurecht von der Freien und Hansestadt Hamburg
  • Nutzende:
    Mitglieder der Genossenschaft und ein Fahrradladen
  • Baubetreuung:
    STATTBAU HAMBURG GmbH (Altbau)
    Baugenossenschaft Langenfelde-Eisenbahner eG (Uwe Blöcker) – heutige Hamburger Wohnen eG (Neubau)
  • Architektur:
    planerkollektiv Architekten, Joachim Reinig
    Bauleitung: Ronald Unger (Altbau),
    Allan McHardy (Neubau)
  • Fertigstellung:
    1987-1989
  • Projektgröße:
    rd. 2.7000 m² Wohn-/Nutzfläche / 30 Wohneinheiten + 1 Gewerbeeinheit
  • Finanzierung:
    ABB-Programm, Modernisierungs-Mittel im Sanierungsgebiet, Sozialer Wohnungsbau 1. Förderweg